Reisebericht

Wir sind am 28.11.2008 wieder in Berlin gelandet.

Unser Spendenerlös beträgt 3.700€ . Ingesamt kammen durch diese Rallye ca. 44.000 € zusammen.

Darauf sind wir echt stolz. DANKE an alle Unterstützer!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Und nun viel Spaß mit unseres Reiseberichtes:

Tag 1: Berlin – Leipzig – Freiberg (30.10.2008)

Nach dem hektischen Einkauf der allerletzten Notwendigkeiten werden die Blumen noch einmal liebevoll gegossen. Der kritische Blick findet nirgendwo in der Wohnung potentielle Brandherde, so dass das Abschließen guten Gewissens erfolgen kann.

Weil Mischa noch arbeiten musste, wird er abgeholt und – natürlich haben wir etwas vergessen und müssen noch mal zur Wohnung zurück. Dann geht es aber wirklich los. Erster Zwischenstopp ist die Leipziger Werkstatt, die sich um Mischas BMW kümmert und ihn wieder TÜV-fähig gemacht hat. Schweren Herzens erfolgt die Übergabe von viel Bargeld. Als gegenwert werden die Schlüssel ausgehändigt und die erste Etappe ist geschafft. Leider ist der Weg raus aus Leipzig mit einem Herumgekurve verbunden.

Beim zweiten Verständigungs-Stopp mitten in der Pampa (die laut Navi eigentlich eine Direktverbindung zur Autobahn sein sollte), dann der Schock: Beim Zuziehen der Fahrertür zersplittert die Scheibe derselben in 300 Millionen Teile (gefühlt). Nach der Überwindung der ersten Schrecksekunde beschließen wir, zur Werkstatt zurückzufahren und die Tür flicken zu lassen. Was auch tatsächlich klappt. Die Weiterfahrt gestaltet sich dann allerdings etwas unbequem und laut.

Beim zweiten Stopp zum Wiederankleben der Folie, die sich immer mal wieder löst, dann der zweite Schock: Wenn man mit einem Auto unterwegs ist, das über Landesgrenzen geschafft und am Ende der Reise verkauft werden soll, was sollte man dann besser dabei haben? Einen Fahrzeugschein… Nur liegt der gemütlich in der Flurkommode und NICHT im Portmonaie. Für einen von uns (ratet für wen…) bedeutet dies die Rückfahrt nach Berlin (wir sind mittlerweile fast in Freiberg). Auch ein kurzer Verzweiflungsanfall ändert an dieser Tatsache leider nichts. Allerdings entscheide ich mich, als ich um Mitternacht in Berlin ankomme, nicht mehr nach Freiberg zurückzufahren, sondern diese Strecke erst am nächsten Tag in Angriff zu nehmen.

Der erste Tag endet getrennt voneinander und in totaler Erschöpfung. Das kann ja heiter werden…

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Tag 2: Freiberg – Bayreuth (31.10.2008)

Nach einer erfreulich ereignislosen Fahrt von Berlin nach Freiberg komme ich nicht nur pünktlich zum Frühstück an, sondern habe in weiser Voraussicht auch noch Brötchen mitgebracht. Dieser Bestechungsversuch erweist sich aber leider als überflüssig, weil Mischas Mutter ca. 5 Minuten nach mir und mit zwei vollen Einkaufsbeuteln voller Verpflegung ankommt. Der gute Wille zählt…

Aber vor dem Frühstück muss noch der Wagen aus- und wieder eingeräumt werden und vor allem der Schaden (von dem wir naiverweise dachten es sei der letzte) dokumentiert werden. Mittlerweile steht auch der Plan fest: Wir fahren einen Tag früher als geplant zu Allrad Limbach, einem unserer Sponsoren, die bei Bayreuth sitzen, auf Isuzu spezialisiert sind und hoffentlich eine passende Scheibe im Sortiment haben.

Die Fahrt ist erwartungsgemäß anstrengend. In Bayreuth angekommen wird uns allerdings sofort und unkompliziert geholfen. Ein herzliches Dankeschön noch einmal an die Limbach-Truppe, die uns echt aus der Patsche geholfen hat.

Unerwartet schwierig gestaltet sich dann die Herbergssuche in Bayreuth. Erkenntnis des Tages: Westdeutschland ist teuer… Wir finden eine Pension am Ende der Welt, die uns zwar ein paar Euro spart, dafür aber fernab von allem und vor allem von jeglicher Möglichkeit der Nahrungsaufnahme ist. Und weil erst in Sachsen und dann in Bayern Feiertag war, gab es leider auch keine Möglichkeit mehr, einkaufen zu gehen… Dafür ist der Herbergsvater nett und freundlich und „wollte auch immer schon mal so eine Rallye mitfahren“.

In meiner Naivität (da ist sie schon wieder) dachte ich eigentlich, das sei der letzte Abend ohne Abendessen… Die nächsten Wochen werden mich eines Besseren lehren…

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Tag 3: Bayreuth – Hohberg (01.11.2008)

Am nächsten Tag machen wir uns bei strahlend schönem (wenn auch saukaltem) Wetter auf den Weg nach Hohberg. Gemütlich (die Strecke ist ja nicht weit) kurven wir durch die Fränkische Schweiz und machen hier und da Halt in entzückenden kleinen Orten. Die Sonne scheint und wir sind optimistisch was den Rest der Reise angeht. Die Idylle wird nur durch ein immer penetranter werdendes Geräusch getrübt, das wir nicht länger ignorieren können, da es leider Gottes aus unserem Motorraum kommt. Der Auspuff scheint kaputt zu sein.

Auf einem verlassenen Supermarkt-Parkplatz überzeugen wir uns mit semi-fachmännischem Blick davon, dass der Krümmer wirklich und wahrhaftig komplett gerissen ist und rufen die gelben Engel (ADAC) zu Hilfe. Die Wartezeit wird durch Sonnen im Campingstuhl sinnvoll überbrückt.

Der Mann vom ADAC bestätigt unseren Verdacht (man müsste auch blind sein um den Riss nicht zu sehen) und empfiehlt uns eine nahegelegene Werkstatt, die auch am Feiertag schweißt und flickt. Die netten Männer vor Ort können den Schaden in der Tat binnen einer Stunde und gegen 30 € für die Kaffeekasse beheben, während wir in der nahegelegenen Trucker-Kneipe Schnitzel essen. Leider hat der Ausflug unsere Reiseplanung etwas nach hinten geworfen, so dass wir mit einer veritablen Verspätung in Hohberg zum Rest der Reisegesellschaft stoßen. Etwaige Rückstände in Bezug auf Bier haben wir aber zügig aufgeholt (begünstigt durch die Tatsache, dass es entgegen meinen Hoffnungen schon wieder kein Abendessen gab).

Die Mitfahrer gefallen und sind auch trinkfreudig. Das freut!

Die Übernachtungsmöglichkeit (hinter der Bühne, unter der Notausgangbeleuchtung, neben Extrem-Schnarchern) gefällt eher weniger.

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Tag 4: Hohberg – Angouleme (02.11.2008)

Die erste Nacht endet mit furchtbarem Kater und ohne Dusche (mein Plädoyer für Geschlechtertrennung beim Duschen verhallte ungehört). Dafür geht es endlich los!

Es ist zwar immer noch kalt auf dem Weg, aber die Aussicht auf die Tour, Sonne und Wüste macht trotzdem gute Laune.

Das neu zusammen gewürfelte Trio bestehend aus uns, dem Team „Rocketbillys“ und dem Team „85“ gefällt sich in gleicher Reisegeschwindigkeit und ähnlicher Tankstopp-Frequenz – der Mikrokosmos hat sich gefunden.

Bei einer ausgedehnten Mittagspause in Chalon lernen wir dann auch gleich die Familie kennen: Christoph hat nicht nur seinen Freund Marko im Saab mitgenommen, sondern auch seinen „alten Herren“ samt Freund dazu überredet, bei der Rallye mitzufahren. Natürlich standesgemäß im übermotorisierten und klimatisierten Automatik-Volvo.

Das Niveau der Reisegesellschaft hebt sich – in einem Restaurant neben der Kathedrale, in dem ausgiebig der französischen Küche zugesprochen wird. Die Weiterfahrt ist dann entsprechend entspannt. So entspannt, dass wir (nach einigen Umwegen) auch ziemlich spät in Angouleme ankommen. Das sorgt dafür, dass das Verpflegungsniveau wieder deutlich sinkt: Außer einem McDonalds hat leider in dem Gewerbegebiet, in dem das Hotel liegt nichts mehr offen. Aber auch den halsbrecherischen Abstieg vom Burgerbräter der Wahl haben wir überlebt – und uns ob des frühen Starts am nächsten Morgen beizeiten ins kuschelige 50-Euro-Ibis-Hotel zurückgezogen.

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Tag 5: Angouleme – Madrid (03.11.2008)

Unmenschlich früh und ohne Frühstück geht es nach einem ersten Tankstopp in Richtung Spanien auf die längste Etappe der Reise: fast 900 Kilometer wollen heute heruntergeritten werden. Nach den erfreulichen Erfahrungen des gestrigen Tages wollen wir die Mittagspause in San Sebastian wiederholen. Leider ist der Verkehr samt Baustellen gegen uns, so dass wir nicht nur zwanzigmal ziellos durch die Innenstadt kurven, sondern uns auch noch aus den Augen verlieren. Während die eine Hälfte der Gruppe stilecht Tapas in einer kleinen Bar futtert, muss sich die andere mit einem Kaffee begnügen. Leider waren wir Teil der zweiten Gruppe…

Nachdem wir vergeblich versuchen, den ersten Teil wiederzufinden, entschließen wir uns, einfach der Strecke weiter zu folgen und darauf zu vertrauen, dass die beiden Teams im BMW und im Volvo uns ohnehin zügig einholen werden.

Was auch geschieht: Mit qualmendem Motor läuft der Volvo auf eine Raststätte ein, die wir kurzerhand zum Treffpunkt auserkoren haben. Es macht sich zunächst Panik breit (und „Zylinderkopfdichtung“ wird zum Unwort der Tour) bis sich herausstellt, dass Jürgen und Steffen nur etwas überschwänglich mit dem Öl an den Motor herangetreten waren und sich alles relativ einfach beheben lässt. Der erste Härtetest für Mensch und Maschine scheint überstanden.

Wieder ziemlich spät treffen wir am Motel „Formule 1“ ein. Das erweist sich allerdings nicht als Verlust, das Motel nämlich ist einigermaßen schäbig und wieder gibt es weit und breit kein Restaurant. Das Zimmer des Teams 85 wird deshalb zur Küche umfunktioniert und die diversen Gas- bzw. Dieselkocher auf ihre Tauglichkeit hin untersucht. Wir haben das erste Mal Kontakt mit den von Christoph und Marko mitgeschleppten Konserven und sind begeistert. Wieso kennen wir keine Fleischerei auf Usedom, die uns leckeren Zandertopf sponsert und zusätzlich noch Whiskey in Dosen einschweißt für den muslimisch korrekten Grenzübergang (die Dosen sind als „Rindsrouladen“ gekennzeichnet).

Selbigen spricht Mischa zügig und mit Begeisterung zu. Temperaturen von um den Gefrierpunkt halten mich allerdings davon ab, dem kollektiven Absturz zu lange beizuwohnen.

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Tag 6: Madrid – San Roque (04.11.2008)

Die Fahrt über die Pyrenäen bringt überraschenderweise tatsächlich noch einmal den Schnee zum Greifen nah. Dabei dachten wir schon, dem Winter endgültig entkommen zu sein. Unterwegs stellt das Team 85 fest, dass der BMW noch nicht wüsten- und rallye-tauglich genug ist und erwirbt an einer Tankstelle eine Sirene (zur Befestigung am Dachgepäckträger) und eine Barbie (als Galionsfigur, ebenfalls auf den Dachgepäckträger) zur optischen und akustischen Aufwertung des bayrischen Boliden. Beides gelingt vorzüglich und ab hier fahren wir mit Sound und Barbie mit Handtasche weiter.

Kurz vorm Ziel in San Roque verlieren Mischa und ich dann aber die Reisegruppe und müssen uns alleine durchschlagen bis zum Campingplatz. Dort angekommen beschließen wir relativ einstimmig (ich dafür, Mischa ambivalent), dass wir für 15 Euro pro Person plus 5 Euro fürs Fahrzeug vielleicht auch ein Hotelzimmer bekommen. Gesagt getan, wir fahren einige Kilometre weiter zu einem netten Hostal – und treffen zielsicher unserer Gruppe wieder. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, aber wir sind wohl alle nicht das, was man unter echten Campern versteht.

Das Hostal hat nicht nur günstige und geräumige Zimmer, sondern auch ein annehmbares Restaurant, in dem wir nach ersten Verständigungsschwierigkeiten etwas zu Essen bekommen und vor allem. Viel Rotwein. Danke an Steffen und Jürgen für die Ausrichtung dieses netten Abends!

Das sich langsam aber sicher vollziehende nähere Kennenlernen der Mitreisenden bestätigt schon Vermutetes:: Dies kann und soll eine nette Reise werden.

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Tag 7: San Roque – Algeciras – Tanger – Larache (05.11.2008)

Die Verständigungsschwierigkeiten mit dem spanischen Hostal-Personal haben sich über Nacht auf ein Minimum reduziert: Der Barkeeper versteht sogar das von Richie lustlos und mit schwer sächsischem Akzent hingenuschelte „Ein Ö-Saft bidde“ ohne Probleme. Noch sympathischer wird den Jungs die Bar, als sie feststellen, dass man nicht nur rauchen sondern auch alles einfach auf den Boden schmeißen darf. Brötchen mit Käse runden das Gesamtbild stimmig ab: Wir verlassen das Hostal als glückliche Gäste.

Auf dem Weg zur Fähre, die uns nach Marokko übersetzen soll, machen wir am größten Supermarkt halt, den wir finden können. Schließlich muss man sich für das nun bald stattfindende Verlassen der Zivilisation wappnen. Kaum drinnen fühle ich mich sehr allein: Die eine Hälfte meiner (samt und sonders männlichen) Begleitungen sucht Handy-Ladegeräte, die andere wendet sich zielsicher dem Alkohol zu. Mit Aufbietung aller Kräfte gelingt es mir, einige Fertiggerichte und etwas Brot in den Einkaufswagen zu schmuggeln. Alles schön unter zahlreichen Flaschen und Dosen Havanna Club und Bier versteckt versteht sich. Meine Angst, im Laufe dieser Tour einfach zu verhungern, vertieft sich.

Nachmittags treffen wir uns mit dem Rest der großen Gruppe am Fährhafen in Algeciras und sehen das erste Mal nüchtern und bewusst, wer eigentlich so alles mitfährt. Auch einige neue Gesichter, die das Treffen in Hohberg versäumt haben, tun sich auf. Insgesamt sind wir hoffnungsvoll, dass es eine lustige Tour wird. Um einordnen zu können, wer in punkto Amüsement auf derselben Wellenlänge schwimmt, verkleiden Teile des Teams 85 sich als Kaninchen und Flash (Gordon). Immer dabei. Die 1-Liter-Faxe Dosen aus der heimischen Tankstelle. So bewaffnet geht es an Bord. Der Innenraum der Fähre verwandelt sich binnen weniger Minuten in ein komplettes Chaos. Kreuz und quer stehen Autos, schreien Menschen und schieben Fährangestellt. Schnell raus und an Deck heißt die Devise. Dort ist es allerdings kalt und zugig. Und: Sobald die Fähre ablegt (was drei Bier dauert), fängt sie schrecklich an zu schwanken und sich zur Seite zu neigen. Das erschwert das Gruppenbild etwas, so dass auf selbigem alle genauso betrunken aussehen, wie wir schon lange sind.

Die Fahrt dauert noch eine Weile, so dass Zeit genug bleibt, sich zu langweilen. Nach dem Anlegen geht es als Kolonne weiter bis zum Campingplatz, der sowohl sanitär als auch temperaturtechnisch enttäuscht (Afrika hatte ich mir immer warm vorgestellt…). Das erste Zeltaufschlagen läuft auch noch nicht wirklich rund. Und die Straße nebenan erschwert das Einschlafen.

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Tag 8: Larache – Marakesch (06.11.2008)

Ohne Dusche (die war leider kaputt) geht es los in Richtung Atlas-Gebirge. Den ursprünglichen Plan, nach Fez zu fahren, konnten wir zwar leider nicht in die Tat umsetzen, aber die entspannte Fahrt durch den vorderen Atlas ist sehr schön und sehenswert. Highlight des Tages wird eine römische Ausgrabungsstätte, die wir mittags besichtigen. Nach wie immer ausgedehnter Mittagspause in einem netten Straßencafe geht es weiter in Richtung Marakesch.

Die Stadt entpuppt sich als Labyrinth, so dass wir das erstbeste Hotel nehmen, das uns vor die Autos kommt. Obwohl es in unmittelbarer Nähe zum zentralen Marktplatz liegt, lassen wir es uns nicht nehmen, uns von zwei Taxifahrern auf dem Weg dorthin übers Ohr hauen zu lassen. Wenn aber auch drei Leute gleichzeitig Geld zücken…

Der „Suk“ entpuppt sich abends als riesige Open-Air-Garküche mit Tendenz zum Stromausfall. Die Atmosphäre begeistert, das Essen weniger. Schwere Enttäuschung ereilt uns bei der Frage nach einem Bier: Es gibt nur Tee!

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Tag 9: Ruhetag Marrakesch (07.11.2008)

Nach fünf Tagen Gruppenreise ist es Zeit für ein bisschen Auszeit. So machen sich die vier Splittergruppen alleine, zu Fuß, mit Fahrrad oder Moped, auf, die Stadt zu erobern. Wir streifen durch die Gassen der Stadt, landen erst auf dem Markt, dann in untouristischen Gegenden der Altstadt und schließlich in einer Dachterrassen-Bar, die durch leckeres Essen und importiertes Bier gefällt. Nach der Pause besichtigen wir noch zwei ehemalige Paläste, kaufen Wüstenbekleidung für Mischa und traben zurück ins Hotel.

Da ich durch die fiesen Temperaturstürze nachts mittlerweile etwas verschnupft bin, machen die Jungs sich alleine auf den Weg, etwas Essen und wenn möglich auch etwas Trinken zu gehen. Da alle recht früh wieder da sind, war die Mission wohl eher von minderem Erfolg gekrönt.

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Tag 10: Marrakesch – Plage Aglou (08.11.2008)

Der mittlere Atlas gefällt super zum Fahren. Richtige Schotterpisten und Serpentinen machen ihn zu einem Fahrspaß für Fortgeschrittene. Spektakuläre Aussichten auf Bergdörfer machen einige „Können wir hier mal zum Fotografieren anhalten“ – Stopps nötig. Der höchste Punkt liegt bei 2.100 Metern und wird mit einem – natürlich – ausgedehnten Mittagessen gefeiert. Mit grandioser Aussicht, leckerem „Tashin“ und Rotwein. Dann muss es allerdings schnell weiter gehen, vor uns liegen noch etliche Kilometer. Wie nicht anderes zu erwarten, gehören wir dann auch zu den letzten, die auf dem Campingplatz ankommen. Da es sich dabei nur um eine betonierte Parkplatz-Fläche an einem schmutzigen und unzugänglichen Strand handelt, haben wir allerdings nicht viel verpasst. Nur das Abendessen fast: Gaskocher plus Wind plus zittrige Hände ergeben Spaghetti auf dem Boden und kurzfristig schlechte Laune. Charmanterweise spendet das Rocketbillys-Team eine Dose mit Fischeintopf für Mischa. Schon wieder… Und Alkohol ist dank des Shopping-Exzesses in Spanien ja noch genug da.

Beim abendlichen Rundgang auf dem Campingplatz dann Erfahrungsaustausch mit den anderen Teams und den Organisatoren.

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Tag 11: Plage Aglou – Laayoune (09.11.2008)

Obwohl es morgens noch recht windig ist, beschleicht uns das Gefühl, dass sich die Real-Temperaturen jetzt endlich den Wunsch-Temperaturen annähern könnten. Das Frieren scheint vorbei zu sein. Zudem scheint die Sonne, so dass wir alle naselang anhalten müssen, um die Autos für Fotos ins rechte Licht zu rücken. Die Sponsoren wollen schließlich am Ende auch etwas sehen für ihr Geld. Einer dieser Stopps trennt uns vom Rest der Mikro-Gruppe, die sich dann auch prompt festfahren müssen – der BMW zumindest. Nie ist ein Allradler da, wenn man einen braucht… Irgendwann biegen wir von der Straße ab und folgen einer nur spärlich ausgeschilderten Schotterpiste. Immer wenn wir denken, jetzt haben wir uns verfahren, kommt von irgendwoher ein bemalter Stein oder ein Hinweisschild. Der Campingplatz, den wir dann erreichen ist die Mühe aber wert: Luc und Martin haben mitten im Nichts ein schönes Wüstencamp aus dem Boden gestampft, in dem es nicht nur funktionierende Duschen gibt, sondern auch etwas zu Essen (nur für die anderen natürlich, denn der anspruchsvolle Vegetarier isst kein Kamel) und – endlich – Rotwein. Marrokanischen zwar aber man wird genügsam mit der Zeit.

Das Frühstück ist dann zwar eher übersichtlich, die Laune bei Abfahrt dennoch gut.

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Tag 12: Laayoune – Dakhla (10.11.2008)

Auf dem Weg zur letzten Enklave vor der Wüste begegnen uns jetzt auch immer mehr andere Rallyes (von „Brüssel – Benin“ bis „Amsterdam – Dakar“ ist alles vertreten). Einigen müssen wir tiefen Respekt gepaart mit etwas Neid zollen, denn sie wagen die Wüstendurchquerung mit Autos, die unsereiner nicht einmal ansatzweise auf der Anschaffungsliste hatte: Enten, Pandas usw.!

Die Polizeikontrollen und militärischen Wegsperren nehmen immer mehr zu – die Westsahara ist lediglich marrokkanisches Verwaltungsgebiet, der Frieden wird als eher oberflächlich begriffen und mit starker Militärpräsenz geschützt.

Der Weg bringt zauberhafte Küstenlandschaften, Spaß im Sand (der BMW driftet dank Hinterradantrieb am besten) und das erste Mal ein Bild, das uns noch oft auffallen wird: Lastwagen mit in Plastiktüten verpackten Ziegen auf dem Dach. Die armen Tiere sind verschnürt wie Weihnachtspakete und können sich nicht bewegen. Sieht aber irgendwie auch lustig aus.

In Dakhla angekommen, stellen wir fest, dass der Campingplatz nicht ganz den Erwartungen entspricht. Teile der Reisegruppe (Steffen & Jürgen und Richie & Armin) nehmen das zum Anlass, gleich weiter in die Stadt und damit ins Hotel umzuziehen. Wir bleiben tapfer, bereuen die Tapferkeit aber spätestens, als ein entsetzter Blick auf die Toiletten fällt und klar wird, dass die Nacht richtig kalt werden wird. Zudem können wir aus Platzmangel und aufgrund des festen Untergrundes unser Zelt nicht aufbauen. Gottseidank haben Marko & Christoph ein Zelt mit, dass groß genug für zwei Fußballmannschaften wäre und Tom, Mischa und mir Asyl gewährt.

Als Ausgleich für entgangene Bequemlichkeit gibt es frisch gefangenen Fisch von den Amsterdamern, die wir hier wieder treffen.

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Tag 13: Ruhetag Dakhla (11.11.2008)

Ungeduscht und unausgeschlafen geht`s zur Morgenandacht. Es gibt wertvolle Einkaufstipps („Kinder denkt daran, genug Wasser zu kaufen!“) und Sicherheitshinweise („Wenn wir in unmittelbarer Nähe zur mauretanischen Grenze campen, könnte dann das Team 85 netterweise auf das Abfeuern von Leuchtraketen verzichten?“). Der Umzug ins Hotel ist beschlossene Sache, also fackeln wir nicht lange, sondern machen uns auf den Weg in die Stadt.

Alle anderen müssen dank fehlender Bodenfreiheit die Wagen noch höher legen lassen und bekommen Bodenbleche verpasst. Wir begnügen uns mit dem Versuch, dem geheimnisvollen Standgas-Problems unseres Isuzu auf die Spur zu kommen – Vergeblich. Vermutlich muss es einfach so sein.

Während Mischa also eine Runde nach der anderen dreht, um herauszufinden, ob der Mechaniker seine drei Euro wert war, hänge ich im Cafe rum und beobachte das Treiben in der Stadt. Die anderen Jungs haben mittlerweile Collin, einen Auswanderer aus Holland kennengelernt und ihn zum Wüsten-Messias gekürt. Er kann zwar nicht Wein aus Wasser machen (DAS wär mal was), hat aber zahlreiche Tipps fürs Fahren in der Wüste und kann evtl. Alkohol und Drogen besorgen – oder dann aber auch nicht).

Bevor wir uns ins Nachtleben von Dakhla stürzen, gibt es entgegen den Unkenrufen Alkohol auf dem Dach unseres Hotels. Das Abendessen nehmen wir stilecht im Dönerladen mitten im

Zentrum ein und tauschen frisch erworbene Weisheiten über das Leben in der Westsahara, Autofahren in der Wüste und allerhand mehr aus.

Beim anschließenden Schlendern über den Markt ist sogar für alle die, die wollen ein Palästina-Tuch drin.

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Tag 14: Dakhla – versteckte Düne (12.11.2008)

Die neuen Freunde Collin und seine Frau Freya werden beim Kaffee verabschiedet (nicht ohne letzte Tipps), danach geht’s mit einiger Verspätung los in Richtung Treffpunkt vor der Grenze. Leider sind wir mal wieder die letzten. Das hält die Jungs nicht davon ab nochmal schnell Hähnchen mit Pommes zu bestellen. Was wiederum Heinz zu einem kleinen Wutanfall provoziert. Und wir hatten gedacht, wir hätten Urlaub gebucht… Die Argumentation, wir müssten zusammen fahren, weil wir die versteckte Düne alleine nicht finden könnten, führt sich ad absurdum: Die Düne samt ersten mutigen Erkletterern ist von weitem schon bestens sichtbar.

Wir schlagen die Zelte auf und mischen uns unters Volk. Ob es die guten Tipps oder die bisher erfolgreiche Durchquerung erster 20-cm-Dünen waren, die Mischa übermütig gemacht haben, lässt sich nachher nicht mehr herausfinden. Fest steht: Er steckt fest. Im Sand. Wollte wohl die Düne rauf fahren…

Jetzt fällt uns auch auf, dass wir vor lauter Übermut beim Zeltaufbau eine Dreiergruppe mit ihrem Zelt komplett eingekesselt haben – die Armen dachten wahrscheinlich, sie seien alleine am Ende der Welt. Weit gefehlt. Zweckoptimistisch erkundigen sie sich bei uns nach dem Stand unserer Biervorräte. Da sie aber nichts zum Tauschen anbieten können und alle um mich rum knallharte Verhandlungspartner sind, wird nichts aus ihrem Ansinnen.

Erstmalig kommen die unterwegs gesammelten Holzvorräte zum Einsatz und Lagerfeuerromantik kommt auf. Und: Irgendwo oben auf der Düne, so munkelt man, gibt es Empfang zum Telefonieren – Richie haben wir erstmal nicht wiedergesehen…

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Tag 15: versteckte Düne – große Düne (13.11.2008)

Aufzuwachen und der erste Blick fällt auf die Düne – das gefällt. Aufzuwachen und zu wissen, dass es, weil eben der erste Blick auf die Düne fällt, weit und breit weder Dusche noch Toilette gibt – naja, sprechen wir nicht darüber.

Kurz nach dem Aufstehen geht es auch schon los und beim Auffahren auf die Straße fahren sich die ersten Autos fest. Das wird in den nächsten Tagen noch einigen einige Male passieren.

Die Einreise nach Mauretanien verläuft einigermaßen glatt und ohne große Verzögerungen. Das Gefühl, Menschen, die man nicht versteht, hilflos ausgeliefert zu sein, ist dennoch alles andere als schön. 8 Km Mienenfeld und Schotterpiste zwischen den Ländern zeigen die noch immer unterschwellig vorhandene Unsicherheit in dieser Region.

Nach einer kurzen Straßenetappe biegen wir rechts ab und treffen uns mit den Wüstenguides. Torsten dolmetscht („Wenn der dubble signal sagt meint er Warnblinkanlage“) und setzt die drei Jungs in ihren weiten Gewändern zu den Alleinreisenden – und los geht´s! Sofort entbrennt ein harter Kampf um die Pole Position zwischen den üblichen Verdächtigen (uns) und den anderen Übermütigen. Auch der graue Volvo erweist sich als überraschend wüstentauglich und ziemlich schnell.

Lektion des Tages: Wenn Du im Sand stecken bleibst, nicht die Türen aufreißen. Das könnte nach Dir kommende irritieren… Steffen und Jürgen lernen aber schnell dazu und sind bald wieder ganz vorne mit dabei.

Auf dem Weg zum Campingplatz bleibt dann auch der Saab kurz im Sand stecken (half sich aber selber raus) und keiner kann sich mehr uneingeschränkt als Wüstenkönig fühlen.

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Tag 16: große Düne – Strand (14. – 15.11.2008)

So hat man sich die Wüste nicht vorgestellt: Buckelpisten mit harten Steinen wechseln sich ab mit kurzen Sandstrecken. Insgesamt spaßig aber noch keine echte Herausforderung. Oder liegt das daran, dass wir feigerweise das Allrad zugeschaltet haben?

Die erste richtige Herausforderung kommt schneller als gedacht: Eine Düne will überquert werden. Dummerweise sieht man von vorne nicht, was dahinter los ist und vor allem nicht, wo man lang fahren soll, um Schäden für Fahrzeug und Image zu vermeiden. Prompt nimmt Mischa den falschen Weg, was uns die Reifen auf dem Dachgepäckträger und mich fast das Leben kostet (ich stand Fotoapparat im Anschlag hinter der Düne). Die Reifen werden also vom Dach genommen und im Wageninneren verstaut.

Erste Verschleißerscheinungen zeigen sich; Der BMW muss mittlerweile zwecks Kühlung die Motorhaube offen lassen.

Leider sind die Fotos allesamt noch nicht so gelungen, wie wir uns das vorgestellt haben (sie wirken noch recht statisch). Also ab in den BMW, um mir die Gelegenheit zu geben, gute Fotos vom heranrauschenden Isuzu zu machen und Tom mal mit dem Jeep fahren zu lassen. Der Ausflug zeigt: Fehlende Bodenfreiheit und Hinterradantrieb erschweren das Fahren in der Wüste und stellen hohe Anforderungen an die Fahrer. Respekt!

Die Auffahrt zum Strand wird dann zum Eldorado für Papparazzi. Leider ist das Gedränge so groß, dass kurzfristig der Auslöser versagt. Es wird also wieder nicht mit dem GEO-Fotopreis.

Dafür gibt es eine neue Gelegenheit für Fotos am Strand mit spektakulären Wasserfontänen. Leider muss man dafür ab und an das Steuer rumreißen und der tote Winkel rächt sich: Die Felixe müssen abrupt auf die Bremse steigen. Sorry dafür!

Campen am Strand bedeutet übrigens unbedingtes Parken hinter der Wasserlinie (sonst ist das Auto womöglich am nächsten Tag nicht mehr da). Das gelingt manchen auf Anhieb – anderen nicht.

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Tag 17: Strand – Nouakchott (16.11.2008)

Bis nachmittags können wir am Strand rumhängen und ordentlich was für die gesunde Gesichtsfarbe tun. Dann heißt es losfahren. Bei etwa 70 Prozent der Teilnehmer führt dies zu akuter Panik: Wie rauskommen aus dem selbst geschaffenen Sandberg? Wir helfen gerne und großzügig – Wozu hat man den das (vorher noch hämisch von Mitreisenden als „feige“ tituliertes) Allrad?

Auf einer schlaglochübersäten Strecke geht es weiter bis Nouakchott. Nachher stellte sich heraus, dass wir durch einen Nationalpark gefahren sind. Leider ist das niemandem aufgefallen, weil man sich mit aller Kraft auf die Strecke konzentrieren musste.

Nouakchott erweist sich als Moloch mit überteuerten Hotels und überraschend vielen Luxuskarossen auf den Straßen. Auch das kulinarische Angebot ist übersichtlich: Wir landen in einem Burger-Laden. Meine Pizza war gut, die Burger wohl nicht so.

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Tag 18: Nouakchott – St. Louis (17.11.2008)

Der Tag geht fast völlig für die Grenzformalitäten drauf. Bei Nacht kommen wir als Kolonne (im Senegal ist zusammenbleiben oberste Devise) auf dem Campingplatz „Zebrabar“ an. Der wird von Martin und Ursula, zwei Schweizern, geführt. Dank Mischas Körpereinsatz bekommen wir einen der begehrten Bungalows und müssen nicht im Zelt schlafen. Freude schöner Götterfunken! Ein leckeres Abendessen und reichlich Alkohol tun ihr übriges.

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Tag 19: Ruhetag St. Louis (18.11.2008)

Der Ruhetag beginnt geruhsam. Ein Ausflug in die nahe gelegene Stadt St. Loius ist das einzige, was wir auf die Beine stellen. Zwei Boote, zwanzig Touristen mit Fotoapparaten bewaffnet und schon kann der Spaß beginnen. Unser Bootsführer hat Pupillen von der Größe von Murmeln und faselt unverständliches Zeug, kann aber immerhin nicht nur seinen Joint mit einer Hand rollen und anzünden, sondern sorgt auch dafür, dass wir das zweite Boot weit hinter uns lassen.

In St. Louis besteht das drängendste Problem wie fast immer darin, ein Restaurant zu finden. Das wird erleichtert durch den aufdringlichen Guide, der sich und seine Dienste sofort anbietet. Da wir vom Alkohol geschwächt und einigermaßen willenlos sind, fügen wir uns in unser Schicksal und lassen uns von ihm nach dem Essen in einer putzigen Pferdekutsche durch die Stadt chauffieren.

Das Absetzen am Bootsanlegeplatz sorgt bei den Mitreisenden dann für einige Heiterkeit. War wahrscheinlich der pure Neid… 😉

Ein weiterer Abend vergeht mit Essen, Alkohol und … naja, eigentlich sonst nichts. Einige Ermahnung von Heinz bezüglich Pünktlichkeit für den morgigen Tag hören wir uns an und vergessen sie gleich wieder. Wir haben ja nun mal Urlaub, oder?

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Tag 20: St. Louis – Banjul (19.11.2008)

Die erwähnten Ermahnungen haben nichts gefruchtet – Wir sind mal wieder zu spät und die Abfahrt verzögert sich. Trotzdem gestaltet sich die weitere Fahrt durch den Senegal eigentlich recht entspannt. Bis dem Volvo von Jürgen und Steffen der Lüftungsventilator verreckt. Das von uns mit Vehemenz praktizierte solidarische Mit-Rumstehen führt zu Verzögerungen im Reiseplan. Der Schaden kann aber provisorisch behoben werden: Die Motorhaube wird kurzerhand abmontiert und auf das Dach geschnallt. So kann es weitergehen. Zu unser aller Schadenfreude müssen die beiden allerdings die heiß geliebte Klimaanlage abstellen. Irgendwann erwischt es eben jeden mal… Die Verzögerung führt dazu, dass bei unsrer Ankunft an der gambianischen Grenze schon alle Formalitäten geregelt sind und wir nur noch Durchfahren müssen. Der Lohn der Solidarität, so vermuten wir – Welcome to Gambia!

Mit Quetschen und Schieben kommen wir auch noch mit auf die Fähre, die uns auf die andere Seite des Flusses und somit nach Banjul bringen soll. Die Fähre steht zwar zwischendurch für eine halbe Stunde bewegungslos auf dem Wasser, was die Reisenden (allerdings nur die europäischen) etwas nervös macht, kommt aber dennoch gut und sicher auf der anderen Seite an. Auch unser Wagen ist entgegen den Befürchtungen nicht hinten über gefallen.

In der Kolonne fahren wir zum „Amsterdam Dolphins“, dem Restaurant von Heinz Exfrau (hier zeigt sich das erste mal ein später noch ausführlicher auftretendes Phänomen: Jeder kennt jeden und ist mit jedem irgendwie verbandelt), um schnell noch etwas zu Essen zu bekommen.

Das eiskalt servierte Julbrew (auch einer der Unterstützer der Rallye übrigens) kann nur eine Minute darüber hinwegtäuschen, dass das Bier einfach schlecht schmeckt. Selbiges gilt übrigens für die Nudeln, die die Jungs serviert bekommen. Meine vegetarische „Extrawurst“ (auch Nudeln) sind da schon wesentlich besser. Trotzdem bleiben wir nicht ewig, sondern machen uns erschöpft auf dem Weg zum Campingplatz, den die Organisatoren für uns ausgesucht haben und der (wen wundert´s?) Heinz gehört. Hier ist ebne jeder mit jedem.. naja, ihr wisst schon…

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Banjul / Serekunda (20. – 27. November)

Heinz hat zwar einen hübschen Campingplatz (fließendes Wasser und so), aber offenbar auch ein Herz für das liebe Vieh, vor allem das gefiederte: Der Hahn nervt!

Bevor wir uns nach einer neuen Bleibe umsehen, lassen wir aber erst einmal das völlig verdreckte Auto notdürftig säubern und räumen aus und um. Kaum zu glauben, was wir alles durch die Wüste geschleppt haben.

Die anschließende Herbergssuche gestaltet sich ähnlich schwierig wie bei Maria und Josef. Nur dass die Scheune bei den beiden keinen Pool hatte. Nach einigem Hin und her finden wir bei Luigis die Pension der Wahl, müssen aber, weil nichts frei ist, noch für zwei Tage ein anderes Hotel beehren.

Das alles dauert und so sind wir spät dran zur Welcome-Party im Amsterdam Dolphins. Dass alle Straßen gleich aussehen und wir uns verfahren hilft auch nicht. Die Party wird aber unerwartet unterhaltsam unter anderem durch die Beobachtung der sich immer offensichtlicher heranpirschenden Prostituierten und den damit etwas überforderten männlichen Mitreisenden.

Aufgrund einiger Gin Tonics wird der kommende Tag zum kompletten Entspannungstag. Es stellt sich heraus, dass Serekunda, der Ort an dem wir gelandet sind, eigentlich nur aus einer Straße besteht und sich entlang dieser Straße in unterschiedliche Viertel unterteilt. Könige der Straße sind Typen wie der 18-jährige Sohn von Heinz, die hier im tiefen Westafrika eigentlich nichts mit sich anzufangen wissen und den ganzen Tag die Straße rauf und runter fahren. Soviel zum Thema Work-Life-Balance.

Am 22. besichtigen wir mit den anderen eine Schlangenfarm im Landesinneren und beschließen danach, einem Spiel der (angeblich) gambianischen Nationalmannschaft beizuwohnen. Nachher stellt sich heraus, dass es sich nur um die U-17 Spiel gehandelt hat. Das erklärt auch, warum es trotz unser teuer erkauften VIP-Tickets in der Halbzeit nur Limo und Kekse gibt. Immerhin können wir dank der VIP-Tickets nach dem Spiel aufs Spielfeld und die Verlierer aus Ghana auslachen.

Während wir Fußball gucken, wird in unserer neuen Pension das Auto gewaschen. Von Hand und für umgerechnet 3 Euro. So günstig gibt es natürlich einen Haken: Zu viel Wasser im Motorraum macht nicht nur komische Geräusche sondern führt auch zu Bewegungsunfähigkeit beim Isuzu. Panik macht sich breit, denn das alles passiert am Vorabend der Versteigerung. Das Problem lässt sich zwar mit ein bisschen hin und her fahren beheben, aber die Abendplanung ist futsch. Nichts für ungut…

Am nächsten Tag treffen wir uns dann in aller Herrgottsfrühe mit den anderen, um die Wagen vor dem Stadion in Positur zu rücken. In Reih und Glied aufgestellt, poliert und gewachst stellen wir uns den Fragen der potentiellen Käufer, die sich mehr oder weniger fachkundig über wüstengepeinigte Motoren beugen. Nebenbei verkaufen wir noch Werkzeug und Ersatzkanister.

Und wer hätte es gedacht: der Wagen, der mit relativ schlechten Prognosen in die Versteigerung startete („Einen Allradler, noch dazu Benziner, kauft hier kein Mensch!“) bringt das zweitbeste Ergebnis und erzielt umgerechnet 3.500 € (108.200 Dalassi). Der Käufer, der den Wagen für die zweite von insgesamt fünf Frauen ersteigert hat, entspricht zwar nicht dem Idealbild des Charity-Opfers, spielt aber ordentlich Geld in die Kasse für die kleine Schule, die wir mit dem Auktionserlös unterstützen.

Die kleine Schule besuchen wir dann auch am darauf folgenden Tag und überzeugen uns vor Ort von der Sinnhaftigkeit des Projektes. Klasse, wie die engagierten Leute hier aus dem Nichts und mit beschränkten Mitteln mitten im Slum eine Schule aufgebaut haben und sie den Regenzeiten zum Trotz weiterführen.

Die restlichen Tage vergehen mit Ausflügen zum Strand, einer Kicker-Competition bei Nacht, weiteren Ausflügen zu Projekten, die vom DBO unterstützt werden und dergleichen mehr. Gambia kann als Urlaubsziel zwar nicht hundertprozentig überzeugen, aber die letzten Tage hier waren trotzdem nett. Nicht zuletzt, weil wir den lieb gewonnenen Wagen noch bis zum Schluss behalten dürfen.

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Responses

  1. aloha…

    …schicker bericht!

    …bis bald!

  2. …sehr beeindruckend!!!!!!

  3. aloha,

    super resümee!

  4. Ein geiler Bericht!!!
    Hab mich gleich für März 2010 angemeldet.


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